Fassade

„Ach, mir geht’s gut“, sagst du und wischt dir eine Träne aus dem Gesicht. Du bist es nicht gewöhnt, dass es jemand schafft, dich so zu sehen. So schwach.

Jahrelang bist du ein Meister darin geworden, unangenehme Emotionen gut zu verschnüren und im hintersten Winkel deiner Seele zu verstecken. Dort, wo niemand Zutritt hat. Nicht einmal du selbst. Denn du wurdest einmal verletzt, als du jemandem diese Tür öffnetest. Das willst du nicht mehr.

Aber jetzt? Plötzlich kommt jemand und bringt dich dazu, dieses feste Band, das um das Paket deiner Gefühle geschnürt ist, zu lockern. Dabei weißt du gar nicht, ob du das willst. Aber dieser jemand schafft es, dass deine Fassade zu bröckeln beginnt.

„Sieh mich bitte nicht so an“, flüsterst du. Du hoffst, dass die Blicke dieses jemandes aufhören und mit ihnen das Sichtbarwerden deiner Gefühle. Du musst schließlich stark sein. Zu groß ist die Gefahr.

„Es ist okay. Du bist sicher bei mir. Du kannst mir vertrauen… Leg deine Maske ab. Lass mich einen Blick hinter deine Fassade werfen.“, sagt dieser jemand. Doch du kannst ihm nicht glauben. Noch nicht. Du baust die Mauer um dich herum wieder auf. Es ist noch zu früh. Du brauchst viel mehr Zeit.

 


Dieser Text wurde im Rahmen des Projektes *.txt verfasst. Das Schlüsselwort zu diesem Beitrag war Fassade.

Über Meichy

Meichy // 24 // Sozialarbeiterin mit einer Leidenschaft für das geschriebene Wort // Kontakt: meichy@gmx.at
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