Blind

Jeden Morgen, wenn ich die Augen öffne und sehe, dass deine Betthälfte noch immer leer ist, trübt sich mein Blick sofort. Nur während eines kurzen Momentes, zwischen dem Aufwachen und Realisieren, dass du immer noch weg bist, kann ich noch klar sehen.

Danach erblinde ich. Jeden Tag auf ein Neues. Als könnte mein Körper es nicht verkraften, dass du weg bist. Als würden meine Augen es nicht ertragen, dich nicht zu sehen, und deshalb alles andere in Dunkelheit tauchen.

So bin ich gezwungen mich durch die Welt zu tasten. Meine weiße Haut wirkt wie die Leinwand eines Künstlers. Übersät von Hämatomen, weil ich es nicht schaffe, mich in der Dunkelheit zurecht zu finden.

Ich liege mit geschlossenen Augen wach im Bett. Ich habe Angst davor, sie zu öffnen, weil ich ahne, was auch heute wieder passieren wird. Meine Hand wandert zu deiner Bettseite. Anstatt deiner warmen Haut ertaste ich nur das unberührte Laken.

Ich öffne meine Augen. Du bist immer noch nicht hier. Und der graue Schleier legt sich wieder über meine Pupillen.


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Crazy Hardcore Shit 19

  • Mittlerweile verstehe ich ja Animal Hoarder. Ich hab zurzeit das Bedürfnis, mir noch etwa 47 Haustiere anzuschaffen. Noch siegt meine Vernunft. Glaube ich.
  • Es fühlt sich echt mies an, sich von einem Flüchtling in der Disco auf ein Getränk einladen zu lassen, wenn man weiß, wie viel Geld die im Monat zur Verfügung haben. Aber er wollte sich das nicht nehmen lassen. Dann hat mir eine Freundin gesagt, dass er reiche Eltern hat. Also alles gut.
  • Ein Lebensstil ist selbsterklärend, wenn die Arbeitskollegin vor dem Wochenende sagt, man solle aufpassen, nicht schwanger zu werden.
  • Was ich übrigens in den letzten Wochen perfektioniert habe: Weinen bis zum Asthmaanfall. Das muss mir erstmal jemand nachmachen!
  • Nach einer Trennung braucht das ganze Leben einen Neuanstrich, weswegen ich beschlossen habe, meinen Job aufzugeben und meinen Lebensmittelpunkt nach Graz zu verlegen.
  • Jetzt grad bin ich also dabei, mein Leben in Kisten zu verpacken. Buchstäblich und metaphorisch.
  • Auch hier brauchte es eine Veränderung, weswegen mir eine wundervolle Person, die lieber anonym bleiben möchte, neue Illustrationen für meinen Blog gestaltet hat. Vielen Dank dafür!

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Zigarettenglut

Es ist bereits Frühling, aber in den Nächten legt sich immer noch eine dünne Schicht aus Eis über die Scheiben der Autos. Es ist schon längst dunkel geworden und eigentlich zu kalt um noch ohne Jacke am Balkon zu stehen. Aber du wolltest eine Zigarette und ich bin dir gefolgt.

Mittlerweile hast du dir schon die Dritte angezündet. Ich beobachte, wie du daran ziehst. Wie die Glut kurz aufleuchtet und ein weiteres Stückchen der Zigarette zu Asche verwandelt. Wie du den Rauch tief einatmest, er kurz in deinem Körper verweilt, und du ihn dann langsam wieder ausatmest.

Du schüttelst deinen Kopf und wehrst meine Hand ab, die nach deiner Zigarette greifen will. Du weißt, dass ich eigentlich nicht rauche. Aber jetzt würde ich gerade wirklich gerne. Denn auf diese Weise könnten sich unsere Lippen zumindest indirekt berühren. Aber du lässt nichtmal diese Art von Nähe zu.

Mir ist kalt. Ich merke, dass ich unter den Ärmeln meines Sweatshirts Gänsehaut habe. Meine Arme fest verschränkt vor meinem Brustkorb. Vermutlich zittere ich leicht und du hast das längst bemerkt. Meine Füße kann ich schon lange nicht mehr spüren. Noch vor wenigen Stunden, als alles anders war, hättest du mir bestimmt deine Jacke angeboten.

Wir schweigen uns nun schon seit zweieinhalb Zigarettenlängen an. Aber was sollten wir uns auch noch sagen? Die letzten Stunden waren gefüllt mit zu vielen Worten, zu viel Schmerz und zu vielen Tränen. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, als ich dir sagte, dass ich nicht mehr glücklich bin mit dir.

„Ich hätte das Basilikum noch nicht hier raus stellen dürfen. Es ist noch zu kalt in den Nächten.“, sage ich schließlich und durchbreche die Stille. Du siehst mich erstaunt an und nickst schließlich. „Ja, wir hätten uns um alle unsere Pflanzen besser kümmern müssen. Die meisten sind in den letzten Jahren vertrocknet, verwelkt, abgefroren, verfault.“, antwortest du.

Du wischt dir eine Träne aus dem Gesicht. Ich blicke auf meine rechte Hand, berühre meinen Ehering mit der anderen und streife ihn ab. Ich halte den Ring fest in meiner Faust, möchte ihn zerdrücken, verformen. Doch er ist hart und bleibt stabil. Ich sehe in meinen Augenwinkeln, dass du mich dabei beobachtest.

Du nimmst noch einen langen Zug von deiner Zigarette und dämpfst sie aus, noch bevor du wieder ausgeatmet hast. Du streifst auch deinen Ehering ab, öffnest mit deinen Fingern meine Faust und legst ihn zu meinem dazu.

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Wahn

Du liebst mich nicht. Du siehst mich nicht. Du nimmst mich nicht wahr. Du denkst, ich sei verrückt. Verrückt. Verrückt. Verrückt. Du bemitleidest mich nicht. Nein, du verachtest mich. Verachtung. Verachtung. Verachtung. Du kennst mich nicht. Du willst mich nicht. Ich sehne mich. Sehnsucht. Sehnsucht. Sehnsucht. Du küsst mich nicht. Du nimmst mich nicht. Nur meinen Körper. Beschmutzt. Beschmutzt. Beschmutzt. Du kannst mich nicht leiden. Wieso tust du mir das an? Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Du hörst nicht auf. Du tust mir weh. Du verletzt mich so. Erlöse mich. Erlöse mich. Erlöse mich. Du bist immer da. Du bist niemals hier. Du lässt mich alleine. Du gibst mir keinen Trost. Gib mir Trost. Trost. Trost. Trost. Ich brauche dich. Bitte sieh mich doch. Geh noch nicht. Bleib hier. Verschwinde! Verschwinde! Verschwinde! Du bist nicht echt. Du bist nicht hier. Du bist in meinem Kopf. Ich bin nicht normal. Nicht normal. Nicht normal. Nicht normal. Du dringst in mich ein. Immer wieder. Du zerfrisst meinen Leib. Dir gehört meine Seele. Meine Seele. Meine Seele. Meine Seele. Wieso hasst du mich? Bitte verlass mich nicht. Sonst bleibt nur Hass. Nur Hass. Nur Hass. Nur Hass.


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Hingabe

Sich jemandem hingeben, mit Haut und Haaren. Einander so viel Vertrauen schenken, denn nie ist man verletzlicher, als in diesen intimen Momenten.

Haut an Haut. Nähe spüren. Wärme fühlen. Die Erregung erfasst den ganzen Körper, den Geist, die Seele. Man will nichts anderes, als mit dem Gegenüber zu verschmelzen.

Nächte, die nie zu enden scheinen. Man kann erahnen, was andere meinen, wenn sie von der vollkommenen Liebe sprechen.

Aber am nächsten Morgen bleibt nur ein bitterer Geschmack im Mund. Denn sobald die Sonne aufgeht und die Nacht verschwindet, endet auch das Vertrauen.

Denn es ist niemals die Liebe, die man spürt. Es sind Sehnsucht, Lust und Verlangen, die so vergänglich sind.

Hört die Suche jemals auf?

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Verlass mich

Verlasst mich doch, bitte. Ich will nicht mit euch sprechen. Alleine sein, das ist alles was ich will. Für immer alleine sein. Die Einsamkeit spüren. Wie sie mich von innen zerfrisst. Wie sie mein Herz erfrieren lässt. Wie sie langsam in meinem Blut Eiskristalle bildet.

Kalt. Mir ist so schrecklich kalt. Mein Herz ist eingefroren, ich kann es nicht mehr spüren. Unter der Decke, mein Körper. Schweißnass. Ich friere. Meine Muskeln zucken unaufhörlich. Zittern. Endlose Bewegungen. Es hört einfach nicht auf.

Verlasst mich doch, bitte. Schreibt mir keine Nachrichten mehr. Ich kann nicht darauf antworten. Ich will nicht mehr hören, wie viel ich euch bedeute und dass ihr mich vermisst. Ich sei so wichtig für euch, das sagt ihr. Das Leben sei doch schön. Aber ich kann das einfach nicht sehen.

Heiß. Mir ist so schrecklich heiß. Flammen in mir, sie lodern. So viel Wut, die ich spüre. Meine Haut verbrennt. Ich schaff das alles nicht mehr. Wie viel kann ein Mensch ertragen? Diese Hitze in mir wütet so lange, bis ich keinen Schmerz mehr spüre. Sie betäubt mich.

Verlasst mich doch, bitte. Ich will von euch nicht angerufen werden. Kein ‚Was ist denn los?‘ oder ‚Ich will dir doch nur helfen‘. Ich will nicht spüren, dass ich euch etwas bedeute. Ich will alleine sein. Ich will nichts mehr fühlen müssen. Es soll endlich aufhören. Ich kann nicht mehr.

Leere. Nichts als Leere in mir. In meinem Herzen wurde es still. Ich kann nichts mehr spüren. Meine Haut ist taub. Jetzt kann ich sie endlich aufschneiden. Das Eis, das Feuer, sie haben alles in mir zerfressen. Es ist an der Zeit, nun auch den Rest zu zerstören. Es ist zu Ende.

Verlasst mich doch, bitte. Denn dann kann auch ich diese Welt endlich verlassen. Ich ertrage es nicht mehr.

Verlasst mich doch bitte nicht. 

 

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Sehnsucht

Du ahnst nicht, was du mir bedeutest. Auch hast du keine Vorstellung davon, welche Macht du eigentlich über mich hast.

Ich habe mich dir gegenüber so geöffnet, wie ich es noch bei keinem zuvor gemacht habe. Mein Herz liegt in deinen Händen und ich denke, es ist dir noch nicht einmal aufgefallen.

Deine Worte, sie haben so viel Einfluss auf meine Stimmung, mein Wohlbefinden, ja sogar mein Handeln. Ein Schnippen mit deinen Fingern könnte den Funken für mich bedeuten, der ein Inferno in meinem Herzen entfacht.

Ich wünschte mir, du würdest die vielen Worte, die ich dir schenke, genau so verstehen, wie ich sie meine. Mit all den Ängsten, Fragen, Bitten die zwischen den Zeilen zu finden wären, wenn du es zuließest.

Du bewirkst so viele Dinge bei mir, von denen ich mir nie erträumt hätte, dass das irgendjemand schaffen könnte. Du könntest mich in Ekstase versetzen und mich im nächsten Moment am Boden zerschmettern, wenn du es darauf anlegen würdest.

Nicht einmal annähernd weißt du, wie groß die Verantwortung eigentlich ist, die dir zukommt, seit ich mich für dich so verletzlich gemacht habe. Es fühlt sich an, als wäre es ein Drahtseilakt, mit dir Zeit zu verbringen.

Ich frage mich, ob ich dir sagen sollte, welche Sehnsucht du in mir erweckst. Denn ich kann von nichts anderem mehr träumen, als davon, dass du deine Frau endlich für mich verlässt und mit mir ein neues Leben anfängst.

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Dich zu lieben

Was denkst du?

Kann es sein, dass Liebe irgendwann einfach endet? Wenn man jahrelang, vielleicht sogar das ganze Leben lang, jemanden mit Zuneigung überschüttet, jedoch nie etwas zurück bekommt, ist die Liebe dann nicht nach einiger Zeit einfach aufgebraucht?

Kann es überhaupt Liebe sein, wenn man das Gefühl nicht los wird, die andere Person wäre wie eine Tasse mit Loch, in die man so viel Kaffee reinschütten kann, wie man nur möchte, sie aber niemals voll sein wird und man das Heißgetränk, das längst erkaltet ist, nie genießen kann?

Kann es sein, dass die Liebe, die man für jemanden empfinden kann, begrenzt ist? Dass sie wie ein Tank ist, der manchmal auch befüllt werden muss, aber wenn das nie passiert, sie irgendwann leer ist?

Kann es denn überhaupt Liebe sein, wenn man der Einzige in der Beziehung ist, der wirklich liebt, der andere jedoch ständig Bedingungen stellt, was man noch alles machen muss, damit man auch endlich seine Liebe verdient habe, dieser Moment aber nie kommt?

Hm, was denkst du?

Weißt du, was ich denke?

Ich denke, ich habe aufgehört, dich zu lieben.

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Liaison

Bitte lass es uns einfach vergessen und so weitermachen, wie bisher.

Wie soll man so etwas vergessen? Das wird für immer im Hinterkopf bleiben. 

Ich will dich nicht verlieren. Bitte lass das hier nicht das Ende sein.

Du hast mich wirklich verletzt und ich weiß nicht, wie wir von hier irgendeinen Weg einschlagen können. 

Ich sagte doch, dass es mir leid tut.

Das sagst du, ja. Aber du meinst es nicht. 

Was willst du damit sagen?

Kannst du versprechen, dass du nie wieder mit ihm schlafen wirst?

Ich werde nie wieder mit ihm schlafen.

Marie?

Ja?

Du wirst wieder mit ihm schlafen, es mir aber diesmal verschweigen, oder? 

Ja.

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Der andere Mann

Emma drückt ihre Freundin an sich. Sie weiß genau, dass Marie etwas bedrückt, aber diese konnte es ihr noch nicht sagen.
„Was ist denn los, meine Liebe?“, will Emma wissen. Marie zuckt mit den Schultern und wischt sich eine Träne aus dem Gesicht.

„Okay, ich werd’s dir erzählen. Aber bitte versprich mir, dass du mich nicht verurteilst.“, beginnt sie.

„Du weißt, dass ich das niemals tun würde“, bestärkt Emma Marie.

„Ich hab dir doch von diesem Typen erzählt, den ich kennengelernt habe. Sebastian.
Na ja, und du weißt auch, dass es mit meinem Mann schon seit Monaten nicht mehr gut läuft… Ja und in den letzten Wochen da habe ich mich einige Male mit Sebastian getroffen. Ganz platonisch. Mal auf einen Kaffee, dann im Kino, ein paar Mal spazieren. Er kann so gut zuhören, weißt du. Er ist für mich da, wenn mich mein Mann wieder einmal enttäuscht hat. Als ich vor kurzem krank war und mein Mann wie immer unterwegs war, hat mir Sebastian Suppe gekocht und vorbeigebracht. Er ist so ein lieber Freund geworden.
Und du weißt ja, mein Mann ist zurzeit als Techniker mit einer Band auf Tour durch halb Europa. Na ja… gestern fühlte ich mich sehr einsam und hab Sebastian um Mitternacht eine SMS geschickt, ob er wach ist und vorbeikommen kann. Keine zwanzig Minuten später stand er vor meiner Tür.“, erzählt Marie, während immer wieder Tränen ihre Wangen benetzen.

„Oh nein, was hast du gemacht?“, möchte Emma wissen.

„Ich hab ihm wieder einmal erzählt, wie unglücklich ich in meiner Ehe bin. Er hat dann endlich das ausgesprochen, was ich so gehofft habe und schon die ganze Zeit hören wollte. Er meinte, ich habe etwas besseres verdient und dass er so eine besondere Frau, wie ich es bin, niemals vernachlässigen würde. Er sagte, wenn er mein Mann wäre, würde er mich nicht so viel alleine lassen, mich trösten wenn ich weine und sich um mich kümmern, wenn ich krank bin. Er überzeugte mich davon, dass er alles dafür tun würde, mich glücklich zu machen, denn mit mir zusammen zu sein, wäre das Schönste, was ihm passieren könnte.“ Marie unterbricht ihre Erzählung.

Emma ahnt schon, wie die Geschichte weitergehen würde. Sie hält die Hand ihrer Freundin und versucht sie so verständnisvoll wie nur möglich anzusehen, auch wenn es ihr so schwer fällt.

„Erzähl bitte weiter“, fordert sie ihre Freundin auf.

„Ich war ganz verzaubert von seinen Worten. Es ist Jahre her, dass mir mein Mann so schöne Dinge sagte. Dann hab ich ihn geküsst. Er hat mich von sich weggedrückt und gemurmelt, dass wir das nicht dürfen, weil ich verheiratet bin. Aber es war zu spät. Wir konnten nicht mehr aufhören.“, erzählt Marie weiter.

„Ihr konntet nicht mehr aufhören?“, fragt Emma.

„Sebastian und ich… wir haben miteinander geschlafen.“, antwortet Marie.

„Du hast deinen Mann betrogen.“, stellt Emma schockiert fest.

„Und ich werde es vermutlich wieder tun.“, schluchzt Marie.

 

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